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Kreislaufwirtschaft

Tiefbau Stadt Bern: Kreislaufwirtschaft systematisch angehen

17. März 2026

Die Stadt Bern fördert Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft im Infrastrukturbau. Nach der Entwicklung zirkulärer Lösungsansätze und der Berechnung des Umweltwirkungspotenzials im Tiefbau werden nun konkrete Massnahmen umgesetzt.

Gesamtsanierung Monbijoustrasse 2021-2022. (Bild: Stadt Bern)

Die Baubranche gehört zu den ressourcenintensivsten Bereichen der öffentlichen Hand. Jährlich werden in der Schweiz Millionen Tonnen mineralischer Baustoffe verbaut – ein grosser Teil davon entfällt auf den Tiefbau mit Strassen, Brücken, Tunneln, Kanalisation sowie Wasser- und Erdbauten. Hier liegt ein bedeutendes Potenzial für zirkuläres Bauen. Tiefbau Stadt Bern (TSB) will dieses Potenzial gezielt erschliessen. Dazu Karin Augsburger, Projektleiterin Umweltwirtschaft bei TSB: «Kreislaufwirtschaft ist für uns ein strategisches Instrument, mit dem wir einen Beitrag zu den Klima- und Nachhaltigkeitszielen der Stadt leisten wollen. Als öffentliche Bauherrin übernehmen wir bewusst eine Vorbildrolle. Gerade bei den grauen Emissionen haben wir einen grossen Hebel, da wir erhebliche Materialmengen einsetzen. Über gezielte Vorgaben in Ausschreibungen können wir die Kreislaufwirtschaft im öffentlichen Raum aktiv fördern.»

Diesen Transformationsprozess begleitet seit drei Jahren Philipp Rufer, Unternehmensberater mit Schwerpunkt Kreislaufwirtschaft und Reffnet-Experte. In einem ersten Schritt wurden alle Mitarbeitenden mit den zentralen Prinzipien der Kreislaufwirtschaft vertraut gemacht. Mit abteilungsübergreifenden Projektteams identifizierte man Ressourcenströme und zirkuläre Lösungsansätze im Tiefbau. Der kulturelle Wandel wurde ebenfalls aktiv begleitet, etwa durch einen spielerischen Brückenbau-Event oder gemeinsame Pausen-Treffen des Kernteams. Zentral war auch der TSB Fach- und Vernetzungsanlass im Juni 2025 mit rund 200 Gästen von Bauunternehmungen und Ingenieurbüros.

Um rasch konkrete Erfahrungen zu sammeln, konnte jede Abteilung zwei bis drei Pilotprojekte umsetzen. Eines davon wurde im Rahmen einer Reffnet-Beratung durchgeführt und untersuchte das zirkuläre Potenzial der beim Sanierungsprojekt der Monbijoustrasse angefallenen Material- und Abfallströme. Zusammen mit Rufer analysierten die Beteiligten den konventionellen Bauablauf und entwickelten für jedes Strassenelement ressourcenschonendere Varianten – zum Beispiel den Einsatz von emissionsreduziertem Beton oder recycelten Strassenbelägen, die Wiederverwendung von Aushub und Bausteinen sowie von Komponenten der Lichtsignalanlagen oder neu gestaltete Wartehäuschen und Leitungssysteme. Anschliessend wurden die Resultate auf das gesamte Stadtgebiet hochgerechnet. So liessen sich belastbare Aussagen zum jährlichen Gesamtpotenzial der Stadt Bern machen – inklusive quantifizierter Reduktionen der Umweltbelastung.

Erste Erfolge zeigten sich bereits dank eines parallel laufenden Forschungsprojekts zu Strassenbelägen mit der Berner Fachhochschule. Durch die Anpassung der Richtlinien für Zusammensetzung und Aufbau der Strassenbeläge liess sich die Treibhausgasbelastung um beachtliche 62 % pro Quadratmeter senken. Die neuen Normalien setzen auf bis zu 95 % Recycling-Asphalt, Niedertemperatureinbau, reduzierte Einbaustärken sowie einen einheitlichen Belagsaufbau. Zusätzlich soll neu darauf verzichtet werden, die LED-Leuchten von Lichtsignalanlagen präventiv zu ersetzen, was den Materialverschleiss reduziert und gleichzeitig Einsparungen von rund 100’000 Franken pro Jahr ermöglicht.

Die erste Phase ist abgeschlossen. In Phase zwei setzt Tiefbau Stadt Bern nun zahlreiche Massnahmen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft um. In den Jahren 2026/27 werden sieben Verankerungsprojekte realisiert – darunter die weitere Anpassung der Strassenbau-Normalien, etwa durch den Einsatz emissionsreduzierter Betonsorten oder den Verzicht auf Betonumhüllungen von Wasserleitungen. «Zentrale Erfolgsfaktoren waren das klare Engagement der Führungsebene und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden. In allen Abteilungen zeigte sich eine hohe Motivation», blickt Rufer zurück. Eine wichtige Erkenntnis aus Bern: Transformation braucht Zeit – und sie beginnt mit dem Mut, erste kleine Schritte zu machen. Dem pflichtet auch Augsburger bei: «Städte oder Gemeinden müssen nicht alles wissen, bevor sie starten. Entscheidend ist, anzufangen, Erfahrungen zu sammeln und den Weg konsequent weiterzugehen.»

Blumige Aussichten: Neue Normalien reduzieren in Bern die UBP-Belastung pro Quadratmeter um 62 % – dank Recycling-Asphalt, Niedertemperatureinbau und optimiertem Belagsaufbau auf Quartierstrassen und Gehwegen. Bild: Stadt Bern

Umweltwirkungspotenzial der analysierten Massnahmen zur Stärkung der Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft in der Stadt Bern, gemessen in Umweltbelastungspunkten (UBP) und Treibhausgasemissionen (THG) pro Jahr.
Umgerechnet entspricht dies knapp 14 Millionen Autokilometern, was für 347 Erdumrundungen reichen würde.

Kommentar: kann projektspezifisch variieren


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