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Materialeffizienz

Spritzguss: Wenn jedes Gramm zählt

14. Oktober 2026

Ein Kugelschreiber wiegt nur wenige Gramm. Bei Millionen Stück pro Jahr summiert sich bei der Produktion jedoch jedes Gramm Kunststoff, das unnötig verbraucht wird. Genau hier setzte die Reffnet-Beratung bei Pagani Works im Tessin an. Im Fokus standen zwei häufig produzierte Kugelschreiber.

Weniger Material, gleiche Qualität: Pagani optimiert die Herstellung seiner Schreibgeräte. (Bild Pagain Works)

Den Kugelschreiber mit dem geschwungenen Clip hat wohl jeder schon einmal in den Händen gehalten, ohne zu wissen, was es mit dem Design auf sich hat. Das Original des Designklassikers, der ikonische Stift DS3, stammt von der Marke Prodir und wird von Pagani Works hergestellt. Pagani Works gehört zur Pagani-Pens-Gruppe und unterstützt B2B-Kunden bei der Produktentwicklung und Industrialisierung – von der Konstruktion über den Formenbau bis hin zur Produktion von Kunststoff- und Metallkomponenten. Die Gruppe produziert an ihren Tessiner Standorten jährlich rund 30 Millionen Kugelschreiber.

2025 verarbeitete Pagani Works rund 236 Tonnen ABS-Kunststoff. Ein beträchtlicher Teil des Materials landete jedoch nicht im Produkt, sondern im sogenannten Anguss: dem Kunststoff, der beim Spritzgiessen durch die Kanäle der Form bis in die eigentlichen Kavitäten fliesst. Er ist technisch notwendig, gehört aber nicht zum fertigen Bauteil und wird nach dem Spritzvorgang abgetrennt.

Im Rahmen einer Reffnet-Beratung wurde dieser Anguss genauer unter die Lupe genommen. Bei den untersuchten Formen war dieses Verhältnis besonders auffällig. Bei einer Form wog der Anguss 82 Gramm, während die gleichzeitig produzierten Teile zusammen 96 Gramm auf die Waage brachten. Bei der zweiten waren es 76,2 Gramm Anguss gegenüber 141,6 Gramm Produkt. «Die Ursache lag weder bei der Qualität noch bei der Prozesssicherheit, sondern in der Geometrie der Formen», erklärt Reffnet-Berater Giovanni Facchinetti. An der systematischen Analyse waren die Pagani-Bereiche Forschung und Entwicklung, Facilities & HSE, Produktion, Einkauf, Planung und Logistik beteiligt. «Die Beratung hat einen Materialverlust von mehr als 23 Tonnen pro Jahr sichtbar gemacht, der vorher einfach zum Prozess gehörte», sagt Facchinetti.

Pagani entschied sich, die zwei Formen zu überarbeiten beziehungsweise neu aufzubauen. Bei einer Form wurden unter anderem die Wege zwischen Einspritzdüse und dem Hohlraum der Form verkürzt, zusätzliche Einspritzpunkte geschaffen und Kanalquerschnitte sowie den Materialeinlaufbereich verkleinert. Dadurch sank das Gewicht des Angusses von 82 auf 44 Gramm. Bei der zweiten Form reduzierte es sich von 76,2 auf 43,8 Gramm. Der Effekt ist deutlich: Bei gleicher Produktionsmenge benötigt Pagani jährlich rund 10,4 Tonnen weniger neues ABS. Gleichzeitig sank die Abfallmenge von rund 23,2 auf 12,8 Tonnen pro Jahr. Die berechnete Klimawirkung beträgt rund 47,6 Tonnen CO₂-Äquivalente jährlich. Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Nutzen von rund 35’000 Franken pro Jahr; die Investition amortisiert sich in weniger als zweieinhalb Jahren.

Ressourceneffizienz bis ins Detail: Pagani setzt bei seinen Schreibgeräten auf einen optimierten Materialeinsatz. (Bild Pagain Works)

Für Pagani liegt der Nutzen deshalb nicht nur in zwei optimierten Formen, so Alessandro Sgotto, Head of R&D & CSR Manager: «Wir betrachten den Anguss nicht mehr einfach als unvermeidbares Nebenprodukt. Das Gewicht des Zuführsystems ist heute ein Kriterium, das wir bereits in einer frühen Konstruktionsphase berücksichtigen.» Auch die Zusammenarbeit mit Reffnet beurteilt Sgotto positiv: «Die Beratung war konkret und genau auf unsere Gegebenheiten abgestimmt. Durch den engen Austausch mit unseren Technikern gelangten wir rasch zu quantifizierten und umsetzbaren Massnahmen.» Die erhobenen Daten haben zudem über das einzelne Projekt hinaus einen Wert. Sie können für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, für Anforderungen von B2B-Kunden oder bei Lieferantenbewertungen genutzt werden. Vor allem aber lässt sich die Vorgehensweise auf weitere Spritzgussformen übertragen. Anderen Unternehmen empfiehlt Sgotto unbedingt, zuerst zu messen. «Ohne Zahlen ist schwer zu erkennen, wo die relevanten Ineffizienzen liegen. Nur durch konkrete Messresultate lassen sich Verbesserungsmöglichkeiten aufdecken und der wirtschaftliche Nutzen beziffern.»


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